17.10.2016

Ich bin doch kein... oder doch? Ein bisschen, vielleicht

Als ich den Aufruf von midoggy zum Thema "Helikoptereltern" sah, dachte ich zu erst: "was sollte ich dazu denn schreiben?" Da ich mir gar nicht so sicher bin, was Helikopterhundeeltern so genau sind, kann ich auch nicht sagen ob ich dazu gehöre. Deswegen überlasse ich das einfach mal Euch. Ich habe absichtlich noch keinen der anderen Beiträge zu dem Thema gelesen, weil ich ganz für mich nachforschen wollte, wann ich mal helikoptermäßig untwegs war. Wirklich viele Beispiele sind mir ehrlich gesagt nicht engefallen, aber eine Begebenheit ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Lange ist es her, dass Sparta einzog. Ich hatte damals keine Ahnung von Hunden und war in den
ersten Tagen sicher für manch einen Außenstehenden ein lustiger Anblick. Ungefähr eine Woche
nach Spartas Landung im herbstlichen Deutschland, musste ich für ein Uni Projekt zu einer Freundin. Da die Neugierde auf den kleinen Mann groß war, packten wir ihn einfach ein und nahmen ihn mit. Sparta freute sich, aber das tat (und tut) er ja eigentlich immer. Nach dem ersten großen
Begrüßungskuscheln setzten wir Menschen uns aufs Sofa und der kleine Herr erkundete die
Wohnung. Nach ein paar Minuten tabste er von der Küche zurück ins Wohnzimmer. Vier Menschen beobachteten jeden seiner niedlichen Schritte, doch nur ich sagte: "Der hat doch was!" Fragende Blicke richteten sich auch mich. "Was soll der den haben?" Ich beobachtet den kleinen Hund, der erst so kurz in meinem Leben war, den ich, wie sich noch zeigen sollte, noch nicht immer richtig einschätzen konnte, dessen Art mir in vielen Situationen ein Rätsel war und ich war mir sicher, der hat was. "Er hält den Kopf schief. Morgen fahren wir zum Artzt, er hat sicher was am Ohr." Es folgen viele Sätze mit "Aber".

-Aber, der guckt sich doch nur um.
-Aber, wenn ich ihn da anfasse, macht er gar nichts.
-Aber, er ist doch fit.
-Aber, ich finde, er hält den Kopf ganz normal.

Nichts da, er hat was!
Also fuhren wir am nächsten Tag mit unserem fitten, fröhlichen und glücklichen Hund zum Arzt.
Und, er hatte was. Eine Ohrenentzündung. Ich hatte vielleicht keine Ahnung von Hunden, aber dieses eine Exemplar verstand ich besser, als jeder andere.
Mittlerweile fahre ich mit den Hundis nicht mehr wegen jeder "Kleinigkeit" zum Arzt. Ich weiß mir, bei vielen Sachen selbst zu helfen und bekomme nicht mehr so schnell eine Panikattacke, wenn Sparta oder Emily mal ein untypisches Geräusch von sich geben. Wenn einer von beiden was hat, weiß ich das aber.

Als Emily einzog, war die Gefahr groß, dass ich zum ultimativen Helikopterfrauchen mutiere. Emily hatte vor allem Angst. Schnelle Bewegungen, Autos, Laute Geräusche, andere Hunde, dem Staubsauger, dem Wäscheständer, und, und, und. Zum Glück hatte ich schnell raus, dass Emily mit den meisten Sachen am besten selbst klar kommt. Alles was ich tun musste, war es ihr ein gewisses Maß an Sicherheit zu geben. Dem Staubsuager sowie dem Wäscheständer kann man ganz gut aus dem Weg gehen. Bei lauten Geräuschen sucht man sich einfach ein Plätzchen, das man für sicher hält und andere Hunde merken (meist) recht schnell, wenn sie keine Lust auf sie hat und falls nicht, geht sie ihnen einfach aus dem Weg (ausgenommen das Das Prinzesinnenproblem). Sie auf dem Arm zu nehmen und ihr zu erzählen, dass die Welt ihr nichts böses will, ist da ganz sicher der falsche Weg.


Sparta ist manchmal eine richtige kleine Mimose. Wenn ihm was nicht passt, wird gemotzt, wenn das Leckerlieversteckspiel zu schwer ist, kommt direkt ein herzzerreißender Blick in meine Richtung, wenn Emily den Ball geklaut hat, wird geweint und wenn es mal irgendwo zwickt wird schon mal gejammert. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich es raus hatte, ihn seine Probleme alleine lösen zu lassen. Erst gestern waren wir mit einer Frau und ihren zwei Hunden unterwegs. Irgendwann fing Sparta auf dem Waldweg an zu humpeln. Die Frau bemerkte das und hatte direkt ein paar Theorien parat, was er denn haben könnte. Ich wusste was er hatte. Er ist ein Magnet für Kletten und alles was klebt. Also erstmal abwarten, da kommt er meist ganz gut selber mit klar. Falls seine Versuche scheitern, helfe ich natürlich gerne. Nach ein paar halbherzigen Versuchen seinerseits, irgendwas aus dem Fell der rechten Vorderpfote zu knabbern, schaute ich mir sein Bein nur an, weggemacht habe ich nichts. Und wie durch ein Wunder, der Hund kann wieder laufen.
Ich weiß nicht, ob ich ein Helikopterfrauchen bin. Vielleicht war ich mal eins. Vielleicht ist das alles aber auch einfach schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es gar nicht mehr bemerke. Es ist für mich normal, auf unseren Runden nach allem möglichen zu gucken. Autos, Menschen, andere Hunde, Eichhörnchen, Hasen oder Müll, das habe ich alles auf meinem Radar.
Mhhh, Radar. Hat ein Helikopter sowas nicht auch?

Was meint ihr, bin ich ein Helikopterfrauchen? Ich bin mir da mal wieder nicht sicher. Aber ich wusste ja auch nicht, dass ich sportlich bin.

So, fertig.
Dachte ich zumindest.

Wenn ich ganz ehrlich sein will, fehlt da aber noch was.
Ungefähr zwei Stunden nachdem der Text fertig war, lag ich mir Sparta und Emily auf dem Teppich im Wohnzimmer und wir spielten mit einem Stück Stoff. Plötzlich flog etwas durch die Luft. Ein Zahn. Spartas Zahn. Was war passiert? Warum war es passiert? Er ist vier, mit vier Jahren verliert man doch nicht einfach einen Zahn. Also das Internet befragen, kann das mal passieren? Gut, das Internet ist ja meist kein guter Ratgeber, vor allem wenn man sich schon so seine Gedanken macht. Also Tierärztin anrufen. Die nette Frau hat mir in dem fünf minütigen Gespräch sicher 6 Mal
versichert, dass so was sehr wohl mal passiert, vor allem bei Zerrspielen. Na gut.
Aber doch noch mal im Internet gucken. Einer Freundin schreiben. Vielleicht ein Mangel? Okay, her mit der Barf-Tabelle. Wo war noch gleich das Buch? Ich achte ja schon drauf, aber so ein "Taschenrechner-Fütterer" war ich nie. Ist das meine Schuld? Hat er sonst noch was? Sparta schnappen, abtasten, in den Mund gucken, Zähne kontrollieren, Futterplan überprüfen (ja, noch mal), wieder mit der Freundin schreiben, Foren durchsuchen..... Und dann kam sie, die Nachricht, die mir meine Frage, ob ich ein Helikopterfrauchen bin, beantwortete: "Aber deine Hysterie kannst du doch gleich als Inspiration für deinen Helikopterfrauchen Text nehmen ;)"

Ich denke mal, die Frage hat sich damit geklärt.

Kommentare:

  1. Hihi. Man entwickelt so seine eigene Art. Du bist meiner Meinung nach nicht Überfürsorglich, aber du guckst halt mal nach. Das mit dem Zahn find ich ja drollig. Ging mir mit Rocky ähnlich. Aber ich Rabenfrauchen hab es erst geschlagene 2 Tage später gemerkt, dass da irgendwas fehlt. Hund zergelt mit mir und ich denke so... fehlt da ein Zahn?? Ja, den hat sich der Racker wohl mal abgebrochen. Gefunden hab ich ihn nie und auch nicht, wobei er ihn eingebüßt hat. Er war halt plötzlich abgebrochen. Irgendwann haben wir ihn entfernen lassen, aber das passiert halt mal...

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

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  2. Grins...ich denke irgendwie sind wir alle ein wenig "Helikopter-Mamis"....jeder auf seine Weise und so ist es auch gut.

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